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Entstehungsgeschichte der Steckentäler

 

Das allgemeine Brauchtum:
Wie alles Brauchtum ist auch die Fasnet nicht ausschliesslich kultischen Ursprungs. Vieles von dem, was uns heutigen Menschen als Symbol, Mythos, Magie, vielleicht auch als Faszination des Unheimlichen erscheinen mag, hat oft sehr reale Beweggründe. In unserer engeren Heimat lassen sich unschwer zwei verschiedene Fastnachtsformen abgrenzen:
Die sogenannte Individuelle Fastnacht:
Ein typisch alemannisch, bodenständisches Brauchtum, welches in unserer engeren Umgebung, wie Rottenburg, Horb und Rottweil beheimatet ist und in vielen Städten des süddeutschen Raumes auftaucht. Es charakterisiert diesen Typ, daß sich jeder so kostümiert, wie es ihm die Laune und die Fülle seiner " Fastnachtskiste", aber auch die Lust, notfalls seine eigene Maske herzustellen, eingeben. (Stockach, Waldshut, Basel, Schramberg mit ihren zahllosen Tier-, Toten-, Geister- und Scherzmasken). Das "schöne Kostüm" gilt nicht viel; das Unerwartete, Skurrile und Groteske zählt, die unheimlich anmutenden Masken und Maskengruppen.
Der rhein-fränkische Karneval
Hier begegnet man einer Verflechtung uniformiert- organisierten Fastnachtstreibens, wo der Humor, dem alles offen steht, gewissermassen angeflogen kommt, über ganze Städte hereinbricht, alle gewollt oder ungewollt erfasst, um sich in den Falten der Narrenseele einzunisten. Seine Schwerpunkte sind wiederum die Städte: Aachen, Mainz, Trier, Köln und Nürnberg, mit ihren Maskenfesten, Sitzungen und Umzügen.
Fasnet in Weil der Stadt
Schon im Jahre 1349 berichtet Nürnberg vom "Schembart-Laufen" seiner Handwerkszünfte und Köln vom "Fasteloved" seiner Klostergeistlichkeit. Nach geographisch-politischen Gesichtspunkten läßt sich die Fastnacht schwer differenzieren. Man feierte sie unabhängig von geographischer Lage und Volkscharakter in allen europäischen Ländern. Vermutlich dürfte sie aber in den Handelsstädten (Italien), in den kurfürstlichen Residenzen, aber auch in den Reichsstädten, wo ein gewisser Wohlstand der Bevölkerung vorhanden war, günstige Entwicklungsbedingungen gefunden haben. Diese Voraussetzungen treffen für die "Weiler Fasnet" zu: Zum Ersten besass die Stadt damals ein wohlhabendes Bürgertum und zum Zweiten lag sie im Zentrum der "staufischen Lande", an der Kreuzung wichtiger Straßen (Nord-Südverbindungen Frankfurt-Pforzheim-Oberschwaben und Ost-Westverbindung Cannstatt-Calw).
Da das Herzogtum Württemberg zu dieser Zeit dem Fastnachtstreiben nicht gewogen war, ist es deshalb wahrscheinlich, das sich Weil der Stadt in der Fastnachtsbegehung, die nach aussen hin immer Anstoss erregen musste, eine gepflegte vorsichtige Form entwickelte.
Den alemannischen Einfluß auf die "Weiler Fasnet" üben die einzelnen Gruppen der Narrenzunft aus, wie die Spicklingsweiber, Zigeuner, Hexen, Schlehengeister, Schellenteufel, Schelme, Steckentäler, Clowns und Bären. Fränkisch-rheinischen Ursprungs sind zweifellos die offiziell 1930 aufgenommenen Fasnetsumzüge des Siebenerrats mit ihren Wagengruppen, Zunft-und Kinderbällen.
Zusammenfassend ist somit zu sagen, dass sich in der "Weiler Fasnet" beide, die individuelle, als auch die rhein-fränkische Fasnet vereinen, was den besonderen Stellenwert in unserer Region zum Ausdruck bringt. Traditionsgebunden und historisch - das erscheint wichtig zu erwähnen - sind in erster Linie die Begabungen und der Hang der Weil der Städter zu närrischem Treiben und Spiel, denn ohne Begabung kann kein echtes Brauchtum entstehen. Es ist deshalb im Sinne aller Mitglieder der Narrenzunft, die Tradition der "Weiler Fasnet" in dieser Art weiterzuführen.